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19.05.2016
 
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Trotz wenig berauschender WM des Teams ein bärenstarker Auftritt

Patrick Geering, ehemaliger K&S Schüler. Der Verteidiger spielt eine Top-WM. Nur gewürdigt wird dies kaum. Bis jetzt.

20Minuten unternimmt den Versuch, unseren Ex-Schüler für seine gute WM zu ehren:

Am späteren Freitagnachmittag ist im Schweizer Teamhotel grosser Medientag. Die Journalisten können mit den Spielern etwas längere Interviews führen, als es jeweils in der Mixed Zone des Stadions üblich ist. Insgesamt wurden bei Medienchef Janos Kick zwölf Spieler bestellt. Unter anderem auch Sandro Zurkirchen, der dritte Goalie. Und um Sven Andrighetto wird fast schon gestritten, weil das Interesse derart gross ist.

Keine Anfrage gab es dagegen für Patrick Geering. Einerseits unglaublich, denn der Verteidiger der ZSC Lions spielt bislang ein überragendes Turnier und ist so etwas wie der grosse Aufsteiger im Schweizer Team. Andererseits aber auch logisch, denn Geering ist irgendwie unscheinbar.

«Stärken, die in der Schweiz fast niemand hat»

Er selbst kann mit dieser Rolle gut leben. «Das Rampenlicht gehört den Torschützen und gerade in der Schweiz wird gute Defensivarbeit weniger wahrgenommen. Aber diejenigen, die wissen müssen, wie die Spieler spielen und wer sein Potenzial abruft, sehen das sicherlich», erklärt der 26-Jährige gegenüber 20 Minuten, das nach dem Freitagstraining am Mittag durch das Stellen einiger Fragen an Geering für eine mediale Rarität sorgte. Der Zürcher weiter: «Man sagt oft, wenn man nicht viel von einem Verteidiger spricht, er nicht für eine Polemik sorgt, dann hat er seinen Job eigentlich gut gemacht.»

Es ist mit den Verteidigern also ein wenig wie mit den Schiedsrichtern. Aber auch Nationaltrainer Patrick Fischer fragt sich, weshalb Geering, der in Moskau an der Seite von Félicien Du Bois glänzt, nicht mehr Beachtung erhält, «denn er bringt Stärken mit, die sonst in der Schweiz fast niemand hat. Etwa seine Ruhe im Spiel und wie er forecheckende Stürmer abwimmeln kann.»

Viel Lob – aber in der Business-Klasse sind andere

Trotz dieses Lobs ist Geering erstaunlicherweise noch immer nicht in der Business-Klasse der Schweizer Verteidiger angelangt. In der Liga spricht man meistens von anderen. Vielleicht liegt es daran, dass sich das ZSC-Eigengewächs in der eigenen Organisation nach oben arbeitete und nie mit einem spektakulären Transfer für Furore sorgte oder eben auch noch keine Legende ist. Ein Hauptgrund ist aber auch, dass er seine Rolle defensiver interpretiert als andere. «Damit hat es sicherlich zu tun, aber natürlich arbeite ich an meinem Offensivspiel», sagt Geering.

Er ist in Russland zum dritten Mal nach 2010 und 2015 an einer WM dabei. 2010 in Deutschland schnupperte er rein, war zumeist überzählig, durfte einmal aufs Matchblatt, erhielt aber keinen einzigen Einsatz. Auch 2015 stand er zunächst hinten an, kam dann aber wegen des Schweizer Verletzungspechs in der Verteidigung auf mehr Eiszeit, bezahlte aber auch Lehrgeld. «Es hilft sicherlich, wenn man zuvor schon mal an einer WM gespielt hat», sagt Geering zu seiner Weiterentwicklung, «ausserdem sind wir in dieser Saison mit den ZSC Lions in den Playoffs nicht weit gekommen und ich hatte schon noch Lust, Eishockey zu spielen und etwas zu reissen.»

Ein Internet-Projekt für elektronische Musikfans

Geering ist auch alles andere als ein langweiliger Gesprächspartner, sondern ein höflicher, intelligenter junger Mann, der auch über den Bandenrand einer Eisbahn hinaussieht. So hat er in seiner Freizeit mit www.ubwg.ch (heisst: Unsere Beweggründe) ein spannendes Musik-Internet-Projekt lanciert: «Wir versuchen eine Anlaufstelle zu sein für alle Interessierten an elektronischer Musik und Clubgänger im subkulturellen und nicht-kommerziellen Rahmen, mit Hauptaugenmerk auf die Schweiz», erklärt Geering. «Ich bin sehr stark an elektronischer Musik interessiert. Doch da es sich als Hockeyspieler schlecht verträgt, bis in die Nacht in Clubs herumzuhühnern, habe ich auf diese Weise eine Lösung gefunden, wie ich meinem Hobby trotzdem nachgehen kann.» Reich wird er damit nicht, aber das Ziel sei es, selbsttragend zu sein und dies sei auch der Fall.

Patrick Geering, der unscheinbare ehemalige K&S Schüler. Viel mehr als nur ein guter Eishockeyspieler.