Berichte
vorheriger Bericht zur Liste nächster Bericht
21.05.2016

Du darfst dich nicht auf den Lorbeeren ausruhen
Euer Debüt «Unified» war vor drei Jahren ein Überraschungserfolg. Wie habt ihr das verdaut?Kate: Ich war das Küken in diesem Business und musste mir zuerst selber beweisen, dass ich das überhaupt kann. Das hat auch einige Konzerte gebraucht.
Angelo: Ich bin extrem selbstkritisch. Wenn viele Leute etwas cool finden, werde ich misstrauisch. Hype wird doch vor allem von den Medien generiert und dann schreiben sie einander ab. Dieses Kompliment muss man erst annehmen können. Man sagt sich nicht automatisch: Ich bin ein geiler Siech.
Was sagt ihr denn, wenn jemand findet, Wolfman seien passé?
Kate: Das ist eigentlich ein Kompliment. Schliesslich heisst das ja, dass bereits so viel passiert ist, dass die Leute genug von uns haben. Aber klar, solche Gedanken macht man sich: An einem Tag feiert man eine Band und am nächsten Tag haben sie alle vergessen. Du darfst dich nicht auf den Lorbeeren ausruhen – niemand wartet auf dich.
Man muss als Band heutzutage um Aufmerksamkeit kämpfen. Kaum jemand hört sich noch ganze Alben an.
Kate: Wir haben uns überlegt, nur noch Singles zu machen. Von aussen sieht man ja gar nicht, dass so ein Album ein enormer Aufwand ist. Nicht nur arbeitstechnisch, auch psychisch. Der emotionale Stress macht dich fertig. Du arbeitest monate- oder sogar jahrelang daran und dann hören sich die Leute drei Songs an. Merci, gäll.
Ihr klingt auf «Modern Age» fröhlicher. Das erste Album war noch schwerere Kost.
Angelo: Ich glaube, da ist auch gerade etwas mehr Scheisse passiert.
Kate: Da habe ich persönliche Herzschmerz-Angelegenheiten ausgekotzt. Jetzt ist es mehr eine allgemeine misanthropische Haltung.
Was hat denn die neuen Texte beeinflusst?
Kate: Bei mir kam viel Inspiration aus einer allgemeinen Desillusionierung. Normalerweise sagen das 19-Jährige mit Che-Guevara-Shirts. Aber ich bin jetzt 30 und ich rege mich immer mehr über die Menschen auf.
Was macht dich denn wütend?
Kate: Ich bin aktiv im Tierschutz engagiert. Das Thema ist heutzutage dringender denn je, aber ich will das jetzt nicht propagieren.
Warum denn nicht? Fehlt den Schweizer Bands nicht genau das? Eine konkrete Message?
Kate: Das steht bei uns hinter vielen Songs – aber es soll nicht zu plakativ sein. Oft wird es als persönlicher Angriff empfunden, wenn man auf Missstände aufmerksam macht. Manchmal bedaure ich es, dass ich mich noch immer nicht traue, im Alltag meine Meinung zum Thema Tierschutz kundzutun.
Angelo: Man sollte die Menschen aber auch nicht zu sehr stören in ihrem kollektiven Selbstmord. Dieser Zynismus steckt in einigen Songs: Wie können wir uns am schnellsten selbst zerstören? Daran arbeiten wir ja systematisch – je schneller es vorüber ist, desto früher können wir neu anfangen.
Kate: Die Menschen sind genau wie die Tiere, die auf dem Weg zum Schlachthof sind, und gar nicht wissen, was passiert.
So eine Aussage würde bei vielen anderen Bands von der PR-Abteilung flachgebügelt werden. Warum will denn niemand mehr kontrovers sein?
Kate: Das ist doch so ein Schweizer Ding. Wir sind neutral und bleiben in der Komfortzone.
Angelo: Nichts riskieren, keine Blösse zeigen. Aber Musik ist auch Business. Und wenn man davon leben will, muss man gewisse Kriterien erfüllen.
Kate: Und das ist dann ein gefälliger Brei. Sowohl die Musik als auch die Interviews.
(Interview von Neil Werndli in 20Minuten; Bild: Wolfman)
Wolfman taufen ihr zweites Album «Modern Age» am 26. Mai im Zürcher Exil.
