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26.11.2015
 
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In der Bundesliga erfolgreich, in der Nati könnte es besser laufen

Admir Mehmedi rauscht bei Leverkusen von einem Highlight zum nächsten. Er ist der dort Mann der Stunde. Wann nimmt er in der Nati wieder Fahrt auf? Lesen Sie das Interview mit dem ehemaligen K&S Schüler, welches in „20 Minuten“ erschienen ist

4:4 in der Champions League gegen die AS Roma, 4:3 in der Liga gegen Stuttgart – noch Tage nach dem Spektakel wird von Bayer Leverkusen gesprochen. Und von Admir Mehmedi, der einen grossen Teil der Euphorie, die rund um den Pillenklub herrscht, ausgelöst hat: In der Königsklasse mit seinem Last-Minute-Treffer zum Ausgleich gegen die Roma und dann mit dem späten Treffer zum Sieg gegen die Schwaben.

Wenige haben Mehmedi nach seinem Wechsel im Sommer von Freiburg zugetraut, dass er sich in Leverkusen durchsetzen kann. Doch der 24-jährige Offensivspieler blüht unter Trainer Roger Schmidt regelrecht auf: In der Champions League hat er in drei Spielen drei Tore erzielt (plus eins in der Qualifikation), zwei Tore sind es in der Bundesliga (bei 12 Einsätzen). Alles erinnert an die hervorragende WM, die der Winterthurer 2014 gespielt hat.

Admir Mehmedi, in der Liga top, aber in der Nati läuft es nicht ganz so glänzend. Woran liegt es?
"Ich spüre auch, dass in der Nati etwas fehlt und ich nicht auf die super Leistungen komme wie in Brasilien oder zuletzt im Club. Etwas an der Konstanz fehlt. Es gab in der Qualifikation die gestandenen und die «gestandeneren» Spieler. Damit meine ich, dass Haris Seferovic und Xherdan Shaqiri fast immer gespielt haben, während es auf der dritten Offensiv-Position immer Wechsel gegeben hat. Das ist gut nachvollziehbar, weil der Erfolg da war. Und das heisst: Ich muss in der Nati noch mehr liefern. Und den Coach so überzeugen."

Sie gelten als sehr ruhig und besonnen. Nehmen Sie sich vielleicht ein wenig zu sehr zurück?
"Das kann schon sein. Im Club helfen mir derzeit die Tore und der Erfolg. Ich denke, ich muss mich nicht verstecken, aber vielleicht muss ich noch mehr Verantwortung übernehmen und noch mehr Temperament auf den Platz bringen. Zumindest habe ich mir das vorgenommen."

In Leverkusen läuft es auch so gut, weil Ihnen der offensive Stil von Trainer Roger Schmidt entgegenkommt. Sein aggressives Gegenpressing, sein Power-Fussball scheint Ihnen zu liegen.
"Das schnelle Umschaltspiel passt mir. Der Trainer setzt eine hohe Laufbereitschaft voraus und ich bin konditionell stark und ich arbeite auch viel nach hinten. Darum liegt mir dieses Spiel besonders. Zudem bin ich noch flexibler geworden und dann kommt irgendwann auch das Selbstvertrauen."

Vor Ihnen haben es schon Eren Derdiyok und Josip Drmic bei Bayer versucht und den Durchbruch nicht geschafft. Obwohl auch Sie viel Konkurrenz haben, ist es bei Ihnen anders. Warum?
"Sie hatten vielleicht auch nicht das Glück. Zudem bin ich ein ganz anderer Typ. Ich werde in der Schweiz oft mit Strafraumspielern wie Haris oder Eren verglichen. Aber ich bin ein komplett anderer Spielertyp. Ich bin eher wie ein sehr offensiver Mittelfeldspieler, flexibel auf den Positionen hinter den Spitzen."

Aber auch Vladimir Petkovic lässt gern offensiv spielen. Was ist in der Nati anders?
"Das Angriffsspiel in der Nati ist taktischer ausgerichtet, auf mehr Ballbesitz. Vielleicht fehlt mir nur ein Super-Match und dann kommt das auch in der Nati."

Wie schätzen Sie die Qualität der Nati ein?
"Das ist eine Mannschaft mit viel Qualität und auch sehr viel Talent. Aber wir stecken in einem Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Wenn wir unser Potenzial optimal abrufen können, dann ist viel möglich, das haben wir an der WM gezeigt. Zudem ist die Stimmung sehr gut. Es passt einfach! Ich finde es nur schade, dass die Nati von aussen so kritisch gesehen wird. Obwohl wir gewinnen, wird immer irgendetwas bemängelt."

Empfinden Sie das so?
"Ja! Schauen Sie: Wir haben die Qualifikation vor dem letzten Spiel geschafft, obwohl wir einen schlechten Start mit zwei Niederlagen hatten. Danach haben wir alle Gegner souverän geschlagen und rund ein Jahr lang kein Spiel verloren – klar können Sie sagen, dass waren ja nur San Marino, Litauen und Estland, aber auch gegen solche Teams muss man erst gewinnen. Dann haben wir zweimal einen Rückstand gedreht. Man kann nicht jedes Spiel 7:0 gewinnen.
Was erwartet man denn von uns? Ich glaube, selbst wenn wir Europameister würden, gäbe es noch kritische Stimmen, die bemängeln, dass wir im Final nur 1:0 statt 2:0 siegten. Das ist schade, man muss doch auch einmal zufrieden sein und anerkennen, dass wir versuchen, immer unser Bestes zu geben. Und dass wir mit dieser Einstellung und unserer Klasse das anfangs gesetzte Ziel, die Qualifikation, vorzeitig erreicht haben."

(Artikel erschienen in „20 Minuten“)

Wir drücken die Daumen, dass Petkovic das grosse Potenzial von Admir auch noch entdeckt und ihn in Frankreich an der EM 2016 zum Zuge kommen lässt.