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13.03.2015

Ein Blick hinter die Tanzkulissen
Spitzenschuhe. Ein Tutu. Eine Krone auf dem Kopf und schwerelos und strahlend über die Bühne fliegen. Von dem träumt doch jedes kleine Mädchen einmal.Auch ich habe zu den Mädchen gehört, die davon träumten Primaballerina zu werden.
Doch bei mir ist dieser Traum, nicht ein Traum geblieben, sondern ich bin ihn am Verwirklichen.
Alleine könnte ich meinen Traum nicht verwirklichen. Ich brauche meine Familie und alle Leute, die mir immer beiseite stehen. Ich hätte all das, was ich bis jetzt geschafft habe ohne meine Eltern nie geschafft. Sie helfen mir aus jeder Krise und machen mir alles möglich. Ich werde finanziell, mental und immer und überall unterstützt.
Nach sechs Jahren in einer Dorfballettschule, habe ich mich entschieden nach Zürich in eine Akademie zu gehen.
Mit 11 Jahren bin ich von zuhause weggezogen, in ein Internat, in eine Grossstadt und habe damit einen Riesenschritt gemacht.
Man muss sich vorher so viel überlegen und sich viele Fragen stellen:
Werde ich das wirklich schaffen?
Bin ich stark genug?
Werde ich meine Familie vermissen?
Will ich alles andere dafür aufgeben?
In der Tanz Akademie Zürich starten wir im sogenannten Grundstudium 1. Da arbeiten wir uns hoch bis ins Grundstudium 6. Wir wechseln jedes halbe Jahr in eine höhere Stufe, falls die erwünschten Ziele erreicht wurden und schliessen dann zusammen mit unseren obligatorischen 9 Schuljahren das Grundstudium ab. Danach geht es ins Hauptstudium der Tanzakademie, die eine Berufsausbildung ist.
Ich habe es gewagt und mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt.
Ich hatte mit 11 Jahren noch überhaupt keine Ahnung, was auf mich zukommen wird.
Ich habe nur eins gewusst; Ich will Balletttänzerin werden!!!
Und so hat sich alles entwickelt. Ich habe die Schule gewechselt und alles neu begonnen.
Ich lebe jetzt in einer anderen Welt. Ich lebe in einer Welt, die von aussen aussieht, als wäre es ein Märchenland. Zuckersüss und einfach himmlisch. Das ist es manchmal auch. Aber eben nur manchmal. Um diese Welt so zu geniessen, wie man es sich vorstellt, muss man hart dafür arbeiten. Stundenlang. Wochenlang. Monatelang. Jahrelang.
Man muss seine ganze Energie ins Training stecken. Man darf nie aufgeben. Man muss immer weiter kämpfen.
Doch wenn man wirklich den Willen hat, und das alles schaffen will dann macht man das alles noch umso lieber.
Wir Tänzerinnen und Tänzer kennen alle das unbeschreibliche Gefühl, auf der Bühne zu stehen und zu tanzen. Man vergisst alle Sorgen, man vergisst alles, was um einen herum passiert und man fühlt sich einfach so frei wie niemals zuvor. Sobald die Musik ertönt, kommt dieses unbeschreibliche Gefühl und man will einfach nicht mehr weg. Man strahlt und fliegt über die Bühne und spürt die Emotionen und die Erlösung.
Für mich ist das Tanzen eine reine Freiheit.
Es ist nicht immer einfach. Es gibt so viele Zeiten, wo man einfach nur denkt:
Macht das alles auch wirklich Sinn?
Verbrauche ich meine Energie umsonst?
Ist es wirklich das Richtige?
Man wird fertig gemacht. Man muss sich Tag für Tag anhören, wie schlecht man heute wieder war und warum man nicht richtig arbeitet.
Aber genau das braucht es. Wir nehmen das alles als Motivation.
Wenn uns ein Lehrer nicht korrigiert, dann bedeutet das für uns, meistens nichts Gutes. Wenn uns die Lehrer oft korrigieren, dann wissen wir, dass sie uns weiter bringen wollen und etwas aus uns machen wollen. Auch wenn sie uns noch so anschreien.
Wir brauchen unsere Lehrer. Ohne ihre Wut auf uns, ohne ihr Geschrei, würden wir gar nicht weiterkommen.
Wenn wir etwas erreichen wollen, dann müssen wir alleine darüber nachdenken und am nächsten Tag zeigen, dass wir etwas verbessert haben.
Ballett ist Perfektion. Ballett ist Disziplin. Ballett ist Spitzensport, oder genauer gesagt Leistungssport.
Wir beginnen in jungen Jahren, mit viel Spass und Freude. Meistens als Hobby.
Und sobald es Richtung Beruf und Ausbildung geht, wird es immer härter und schwerer. Nur die Aller-Allerbesten haben eine Chance.
Man beginnt in einer grossen Gruppe und am Ende bleiben nur noch wenige im Spiel.
Wir trainieren 25 Stunden pro Woche und machen alles dafür um etwas Besseres zu erreichen.
Wir wissen oft nicht, wie es jetzt um uns steht. Man hat immer im Hinterkopf, dass man rausfällt, wenn man sich nicht verbessert.
In letzter Zeit kommt es sehr oft vor, dass jemand die Schule verlassen muss oder auch will. Weil es einfach nicht mehr weiter geht. Weil man nicht mehr will oder weil man keinen Spass mehr findet. Man kann auch rausfallen. Wenn die Resultate nicht mehr stimmen, wenn man nicht den richtigen Körperbau hat. Oder wenn man zu faul ist, um zu arbeiten.
Es besteht immer eine gewisse Angst um seine eigene Zukunft.
Ich bin jetzt 15 Jahre alt und komme im Sommer aus der Schule. Ich möchte an der Tanz Akademie Zürich bleiben und dort das Hauptstudium (die Lehre als Bühnentänzerin) beginnen.
Mein aller grösstes Ziel ist es, nach meiner dreijährigen Ausbildung an der TAZ im Ausland oder auch in der Schweiz eine Company zu finden und eine Karriere als Tänzerin zu machen. Ich will meinen Traum zu meinem Beruf und zu meinem Leben machen und mit meinem Können und meiner Ausstrahlung ein Publikum begeistern und fesseln können.
Ich bin glücklich, wenn ich Menschen eine Freude machen kann und sie meinen Auftritt geniessen können.
