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24.02.2015
 
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Manche sagen mir eine Weltkarriere voraus

HAST DU FREUNDE?
Aus dem Leben von sechs Wunderkindern. Eines davon hat die K&S Zürich besucht.

Aeneas Humm, Bariton

«Der bisher wichtigste Moment in meinem Leben war, als ich am 21. Januar 2013 die zweite Arie des Papageno anstimmte. Das geschah um vier Uhr nachmittags im Saal von Schloss Hahnberg bei St. Gallen. Ich war 17 und hatte zwei Monate zuvor die Schule geschmissen, weil ich es nicht mehr aushielt. Die Lehrer sagten, ich sei faul oder dumm, dabei leide ich nur an Dyskalkulie und kann mir keine Vokabeln merken. Daher hatten mich meine Eltern extra in das Musikgymnasium im österreichischen Feldkirch gesteckt. Meine Noten hätten für kein Schweizer Gymnasium gereicht.
Ich sang in dem Moment nur für eine Frau, eine grazile Dame Ende 60, die neben dem Flügel stand. Krisztina Laki, die legendäre Gesangspädagogin und Sopranistin, zeigte keine Regung. Nach dem letzten Ton wandte sie sich an den Pianisten, sagte mit ihrem harten ungarischen Akzent: ‹Dieser Junge wird mit Singen sein Leben finanzieren.› Sie bot mir einen Platz in ihrer Klasse an. Alle hatten bisher gesagt, ich sei zu jung für den Gesang.
Das war vor zwei Jahren. Gestern kam ich heim nach Wädenswil. Seit einem Jahr studiere ich bei Krisztina Laki und Thomas Mohr an der Musikhochschule Bremen. Ich bin der jüngste Student, was nicht nur toll ist. Ich bekomme den Neid der anderen zu spüren. Mancher Übungsraum ist belegt, auch wenn er es nicht ist. Oder ein Generalmusikdirektor witzelt vor dem Ensemble, dass die Eltern noch die Verträge unterschreiben müssten. Aber ich lerne viel. Ich habe keine Mühe mehr, mir Schubert-Lieder oder schwierige Partien von Mozart und Händel zu merken. Und ich trete oft auf, allein im letzten Jahr fünfzig Mal, mit Liedern und in Opernproduktionen in Bremen und Bremerhaven. Die Kritiker betonen die Ausdruckskraft meiner Baritonstimme, die einem viel älteren Sänger zu gehören scheint. Manche sagen mir eine Weltkarriere voraus.
Dass ich es so jung so weit gebracht habe, verdanke ich meinen Eltern: Sie nahmen mich als Kind mit in die Oper und in Konzerte, zahlten Gesangsstunden, und in der Stube steht ein Klavier. Überhaupt ist unser Haus voller Kunstwerke. Die Tassen, Teller und Schüsseln in der Vitrine hat mein Vater getöpfert, er ist auch Fotograf und Journalist. Das abstrakte, blau-weisse Gemälde an der Wand hat meine Grosstante aus Kairo gemalt. Ich stamme aus einer Künstlerfamilie: Mein Grossvater schuf Bühnenbilder in Nürnberg und am Burgtheater Wien, mein Onkel ist Schauspieler, meine Grosscousine am Broadway. Sie alle unterstützen mich, keiner hat mich je zu etwas gedrängt. Ich wollte immer nur singen. Das fing mit sechs an bei den Zürcher Sängerknaben. Mit elf hatte ich den ersten Auftritt vor 1500 Menschen im Musical ‹Die schwarzen Brüder›. Ich spürte früh: Das ist mein Weg. Heute singe ich unter der Dusche, im Lift, auf dem WC. Ich übe auch viel mental.
Man muss das, was man tut, so gut wie möglich tun. Meine Stimme ist eine Gabe, aber mein Erfolg beruht zu 90 Prozent auf Fleiss, Fokussierung und hartem Training.»

Eric Breitinger (Journalist)

Dieser Bericht stammt aus dem NZZ Portfolio vom Februar 2015 zum Thema „Wunderkinder“.


Wer Aeneas live sehen möchte, kann dies am 03.03.2015, 19.30 Uhr, im Etzelsaal Wädenswil tun.
Dort findet das 1. Lied- Festival am Zürichsee statt.
Das Konzert steht unter dem Namen „Schweizerisch - Ungarische Liederbegegnung“.
Passend zum Ort wird Aeneas Lieder von wichtigen Komponisten seiner Heimat singen: Othmar Schoeck, Joachim Raff sowie ein Lied von Laurie Altmann.